By Franz Walter

Das Buch handelt von den ursprünglich tragenden sozialmoralischen Lagern der deutschen Industriegesellschaft, und es portraitiert einige ihrer bedeutenden Repräsentanten, die den politischen Milieus Gesicht wie Prägungen gegeben haben. Der Autor erörtert den hybriden Anspruch der weltanschaulichen Eigenkulturen, denen es um „neue Menschen“ in „befreiten Gesellschaften“ ging. Wir treffen dabei auf zahlreiche Mythen, etliche Wirrungen und nicht wenige Tragödien. Wir stoßen im historischen Vollzug schließlich mehr und mehr auf die ernüchternden Folgen realer Alltagspolitik, an deren Ende nicht mehr der „neue Mensch“ stand, sondern sich vielmehr eine neue politische Klasse im Parteienstaat herauskristallisierte.

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Das sowjetische Regierungssystem: Die Grundlagen der Macht der kommunistischen Parteiführung. Leitfaden und Quellenbuch

In dem Allgemeinen Teil dieses Buches stellte sich der Verfasser die Aufgabe, die Ziele und Methoden einer allein herrschenden Partei in der Sowjetunion und die sich daraus ergebenden notwendigen Folgen für die shape der Organi­ sation dieser Partei und des von ihr beherrschten Staates zu zeigen. Damit ist auch das sowjetische Regierungssystem in seinen Grundzügen charakterisiert.

Eignungsprognose und Ausbildungserfolg: Untersuchungen über den Wert verschiedener Ausleseverfahren zur Prognose des Lehrerfolges in gewerblichen Berufen

Der Gedanke, die Beziehung zwischen individuellen Fähigkeiten und Anforderungen, die verschiedene Tätigkeiten oder Berufe an den Menschen stellen, auf rationalem Wege zu optimieren, ist vermutlich so alt wie die menschliche Gesellschaft. In systematischer Weise wird berufspsychologische Eignungsdiagnostik jedoch erst seit Anfang dieses Jahrhunderts betrieben.

Zwischen zwei Welten?: Eine organisationssoziologische Analyse der (Re-)Konstruktion kommunaler Selbstbeschreibungen

Die öffentliche Verwaltung befindet sich seit den 1990er Jahren sowohl overseas als auch nationwide in einem Prozess tief greifender Veränderungen. Heike Scheidemann analysiert anhand der Einführung des Neuen Steuerungsmodells und der Doppik folgende Fragen theoretisch und empirisch: Wie greifen Organisationen gesellschaftliche Modelle des Organisierens auf?

Der ewige Kalte Krieg: Kubanische Interessengruppen und die US-Außenpolitik

Angesichts der langen kubanisch-amerikanischen Geschichte und vor dem Hintergrund der großen Asymmetrie zwischen den united states und Kuba stellt sich die Frage, ob die kubanischen Interessengruppen in den Vereinigten Staaten Einfluss auf außenpolitische Entscheidungen haben können. Diese Studie zeigt, wie sich cubano-amerikanische Gruppen in den politischen Prozess der united states einbinden, um ihre Interessen zu denen der gesamten amerikanischen Außenpolitik werden zu lassen und um auf den gegenwärtigen politischen Präferenzbildungsprozess der united states einzuwirken.

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Alles im Heil-, Fürsorge- und Wohlfahrtswesen war kommunalisiert und für die Nutzer kostenfrei, von der Wiege bis zur Bahre, von der Geburtshilfe bis zur Totenbestattung, zum Sarg, zum Leichentransport, zur Grabrede. Für alles sorgte die sozialdemokratische Gemeinde. Insofern: Der Freitaler Sozialismus verfügte über eine konzeptionelle Idee. Ja, er hatte eine Vorstellung, ein Bild, wenn man so will: eine Vision von der Entwicklung der Stadt. Und diese Zukunftsidee gab der Stadt in jenen Jahren Zusammenhalt, ein geradezu herausragendes Selbst- und Sendungsbewusstsein, deren Höhepunkt wohl im Jahre 1927 lag, als eine Delegation des Genfer Völkerbundes in der Stadt auftauchte, um das Freitaler Modell studieren und bewundern zu können.

Schröders und Lafontaines prägende Erfahrung seit den achtziger Jahren war, dass ein provokativer Medienauftritt größere Prämien abwarf als eine mühselig zusammengezimmerte Resolution in einer Parteiarbeitsgemeinschaft. Sie waren Kinder und Akteure der Mediengesellschaft. Sie hatten erfahren, dass die Medienleute sich besonders dann auf sie stürzten, wenn sie mokante Sticheleien über die eigene Partei verbreiteten, wenn sie traditionelle sozialdemokratische Grundsätze locker beiseiteschoben. Diese Medienpose verlieh ihnen die Aura undogmatischer Beweglichkeit und kreativen Eigensinns.

Aber auch das überschäumende Temperament Ehmkes war nicht nur von Nachteil. Der Kanzler jedenfalls, um den es schließlich ging, zog daraus mehr Nutzen als Schaden. Horst Ehmke selbst sprach später in seinen Memoiren von einer „kompensatorischen Arbeitsteilung“74, die er mit Willy Brandt gepflegt habe. In der Tat: Kanzleramtschefs und Kanzlerberater müssen in vielfacher Hinsicht komplementär zu ihren Kanzlern stehen; sie sollten über Fähigkeiten verfügen, die ihren Chefs fehlen; sie sollten die Kanzler ergänzen, nicht spiegeln, sollten also ihre Defizite ausgleichen, nicht ihre Stärken unterstreichen.

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