By Ursula Dallinger

Solidarität entstand als ‚Kampfbegriff’ der sich neu etablierenden Soziologie gegenüber den damaligen Handlungs- und Ordnungsmodellen der Ökonomie. Insbesondere am challenge, wie Akteure mit divergierenden und möglicherweise antagonistischen Zielen kooperieren, entwickelte die Soziologie eigene Konzepte zu Handlungsbegrenzungen oder Institutionen. Das Buch rekonstruiert soziologische und ökonomische Begründungen von Institutionen und zeigt die Leistungen wie auch die Engführungen der Durkheim-Parsons-Tradition einerseits, der neueren ökonomischen Sozialtheorie andererseits. Es zeigt, dass beide Traditionen von der Unvollständigkeit der Theorie rationalen Handelns ausgehen und mit ganz unterschiedlich konzipierten ‚Institutionen’ diese Lücke füllen.
Beide Ordnungsdiskurse prägen auch die Sicht des Sozialstaats, der Solidarität in der modernen Gesellschaft verkörpert, weil es um die Begrenzung eigennutzorientierten Verhaltens und um Kooperation zugunsten kollektiver Ziele geht. Das Buch kommentiert die politische Soziologie, die moralische Ressourcen als foundation des Sozialstaats sieht, und erweitert sie mit Ergebnissen der ökonomischen Institutionentheorie. Anhand der idealtypischen Unterscheidung zwischen Sozialversicherungs- und Umverteilungsfunktion des Sozialstaats wird dessen Wertbedarf genauer lokalisiert und Einkommensumverteilung als die solidarische size diskutiert, da hier 'die Belange der Anderen' berücksichtigt werden.

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Weitere Stimmen unterstreichen dieses Bild noch: Konflikte und deren Austragung seien das integrative Moment (Dahrendorf 1958; 1965), der ‚überspannende Baldachin‘ gemeinsamer Werte fehle unwiderbringlich (Soeffner 2000) und ein ‚moralischer Pluralismus‘ (Koller 2004) sei nun das gemeinsam Gültige. Im Allgemeinen wird gefühlte Zusammengehörigkeit, Verbundenheit über die eigenen Interessen hinaus, wertegeleitete Kohäsion als solidarisch verstanden. Um dem Begriff mehr Klarheit zu verleihen, wurde er oben jedoch zunächst aus seinem etymologischen Ursprung im römischen Schuldrecht abgeleitet und davon ausgehend in zwei Diskursen, in denen der Solidaritätsbegriff relevant ist, rekonstruiert.

54 3 Solidarität bei Durkheim: Gerechtigkeit und Staatsbürgermoral Formen einer Übergangskrise abtat (König 1976, 322; Müller 1983: 133; Tyrell 1985, 185). Aber solche Einwände nehmen Durkheims Begriff der Arbeitsteilung zu wörtlich. Vielmehr thematisiert sein Begriff der Arbeitsteilung diffus Tätigkeitsspezialisierung, Funktionsdifferenzierung und die Differenzierung von Wertsphären.

Nur wegen individueller Nutzenerwartungen würden überhaupt die Institutionen und die von ihnen gesetzten Konstraints akzeptiert. Institutionen entstehen hier aus dem Interesse von Akteuren an Regeln, bzw. aus gesellschaftlichen Praktiken, mit denen komplizierte Austauschbeziehungen bewältigt werden (Maurer/Schmid 2002). Die Zusammenfassung bilanziert dann die Erträge der klassischen und der institutionentheoretischen Perspektive (Kap. 6). 43 Parsons geht also nicht von einem Einzelnen aus, sondern immer von Akteuren, der das Verhältnis zum anderen definieren müssen: Dürfen die Interessen Egos oder die des Kollektivs dominieren, muß Ego die Folgen seines Handelns für Andere berücksichtigen?

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